interessantes aus amerika
hiho,
heute wird es theoretisch und fuer einige wahrscheinlich weniger interessant.
egal, da mich das thema interessiert, hier eine kleine abhandlung.
das poker und gerade online poker in vielen laendern einen wackeligen rechtlichen stand hat, was die eingruppierung als gluecksspiel angeht ist bekannt. auch in den derzeitigen entscheidungsprozess auf eu ebene duerfte das gutachten aus amerika frischen wind bringen, ist doch die einstufung von online-poker von einigen laendern (u.a. detuschland) ja in letzter zeit forciert worden.
es geht um einen fall, bei dem ein amerikanischer pokerspieler einen rechtsstreit mit der amerikanischen steuerbehoerde fuehrt ob antrittsgelder bei pokerturnieren (die buy-ins) als wetteinsaetze zu bewerten sind oder nicht, was ja für die steuerrechtliche bewertung entscheident ist.
mit der erstellung des gutachtens wurde im einverständnis beider parteien die "amicus curiae – the poker players alliance" beauftragt.
jetzt der interessante part: die untersuchung kommt zu dem schluss, dass turnierpoker kein glücksspiel sondern ein strategie- und geschicklichkeitsspiel ist! vergleichbar eher mit golf als z.b. mit roulette.
ausgangspunkt der ueberlegungen des instituts "amicus curiae" ist, dass es sich bei buy-ins fuer pokerturniere dann um einen wetteinsatz handelt, wenn turnierpoker ein glücksspiel ist. das gutachten geht weiterhin von folgender definition des glücksspiels aus:
- es erfolgt ein spieleinsatz.
- hierdurch erwirbt der spieler eine gewinnmöglichkeit.
- das ergebnis hängt überwiegend vom zufall und nicht vom können des jeweiligen spielers ab.
nach meinung der gutachter ist die letztgenannte bedingung beim turnierpoker nicht erfüllt. pokerturniere seien keine wettveranstaltungen sondern wettbewerbe, bei denen letztlich der spieler mit dem größten können siege.
Dies ergebe sich insbesondere aus folgenden tatsachen:
- eine pokerhand wird nur in den seltensten fällen bis zum "showdown" gespielt.
in 80% der im verlauf eines pokerturniers gespielten hände wird der "pot" bereits vor dem "showdown" allein durch das setzverhalten der spieler bzw. dadurch gewonnen, dass alle mitspieler – bis auf einen - die hand aufgeben, indem sie ihre karten "folden".
in den weit überwiegenden fällen wird also der spielausgang nicht durch ein zufälliges ereignis (kartenverteilung/"showdown"), sondern durch aktionen im rahmen der setzrunden entschieden.
daraus folgt, dass die jeweiligen einsätze der spieler keine "wett-" einsätze darstellen, da die spieler in erster linie nicht darauf setzen am ende die beste hand zu halten, sondern es das primäre ziel der einsätze ist, auf das verhalten der gegenspieler einfluss zu nehmen. es stehen also strategische und auch psychologische beweggründe im vordergrund.
ferner ist intuition und menschenkenntnis gefragt, um das verhalten der gegenspieler richtig zu deuten.
das gutachten kommt zu dem schluss, dass der traditionell verwendete begriff "bet" für die einsätze beim aktuellen turnierpoker also irreführend bzw. schlicht falsch ist.
zwar räumt das gutachten ein, dass auch eine glückskomponente vorhanden ist, das können der jeweiligen spieler dominiere jedoch bei weitem wenn es darum geht, welcher spieler sich am Ende in den geldrängen platzieren kann.
uebersetzt, sobald pokerstrategien, die – jedenfalls mittel- und langfristig – anerkanntermaßen gewinnbringend sind ins spiel kommen, wird die anwendbarkeit des begriffs gluecksspiel stark eingeschraenkt.
im verlauf eines pokerturniers werden zudem von den (erfolgreichen) spielern ständig komplizierte entscheidungen getroffen, die nichts mit zufall zu tun haben sondern denen unter anderem folgende aspekte zugrunde liegen:
- berechnung von wahrscheinlichkeiten.
- zu erwartende reaktionen der gegenspieler.
- anzahl der eigenen chips im verhältnis zu denjenigen der gegenspieler.
- spielposition innerhalb einer hand. aktionen der spieler, die vorher agiert haben.
- stadium des turniers (anfangsphase, geldränge in reichweite/"bubble", "final-table").
dann wird noch darauf hingewiesen, dass die teilnehmer eines pokerturniers auch von händen profitieren können, an denen sie aus strategischen gründen selbst überhaupt nicht beteiligt sind. diese strategie ist vor allem im stadium eines turniers zu beobachten, wenn nur noch wenige spieler ausscheiden müssen bevor die übrigen die geldränge erreichen. ein solches spielverhalten bzw. eine solche strategie hat mit glück nichts zu tun.
das gutachten geht ferner von der these aus, dass ein strategiespiel sich dadurch auszeichnet, dass es bessere und schlechtere spieler gibt und dass die besseren spieler gegen die schlechteren langfristig gewinnen. bei glücksspielen ist dies hingegen nicht der fall.
dieser these muss man nicht folgen, aber sie ist zumindest was teilaspekte angeht recht ueberzeugend.
um diese these auf poker anzuwenden bzw. zu prüfen wurden verschiedene computerprogramme mit unterschiedlicher komplexität erstellt. diese programme traten anschließend in einer vereinfachten form des texas hold´em gegeneinander an. das ergebnis war eindeutig:
das programm, das seine entscheidungen nur zufällig traf, wurde letztes.
je komplexer die programmierte spielstrategie war (z.b. berechnung von odds und outs, gelegentliches bluffen, einbeziehung des spielstils des gegners), desto besser schnitt das jeweilige programm ab.
das programm mit den größten strategischen fähigkeiten landete dementsprechend auf dem ersten platz.
das gutachten geht sogar so weit, pokern mit golf zu vergleichen und hinsichtlich des "skill"-faktors gleichzusetzen.
zum einen gewinnen beim golf – welches unstreitig kein glücksspiel ist – ebenfalls die besseren gegen die schlechteren spieler.
zudem zeigt ein vergleich der wsop- und der pga-statistiken auffällige parallelen im hinblick auf die anzahl der verschiedenen sieger und die anzahl der teilnehmer, die ihren sieg wiederholen konnten.
"In the 25-year period beginning with 1976 and ending in 2000, 21 different players won the World Series of Poker. One person won three times in that span (Stu Ungar), and three more won twice (Johnny Moss, Doyle Brunson and Johnny Chan). Three of these repeat winners won on streaks – back-to-back wins in consecutive years (Brunson, Ungar and Chan). Fourteen of the twenty-one were "repeat finalists" who finished among the top ten in one or more of the other tournaments. In the same period, there were twenty-two different winners of the PGA Championship, and three multiple winners. Only Tiger Woods won back-to-back titles. Fifteen of the twenty-two champions made it into the top ten in another Championship. It is precisely because poker tournaments involve roughly the same amount of skill as golf tournaments that poker tournaments now rival golf tournaments in popularity on television. The only people who watch anyone play roulette on television are casino security guards. People only watch lottery drawings to see if they have won. But poker matches are spectator events because, as in any game that people tune in to watch, it is fun to watch good players get beaten by even better players. Texas Hold ’Em players have roughly the same ability to win in their tournaments as golfers do in theirs. If golf is a game won and lost predominately on the basis of the skills of the players on the course, poker is a game of skill as well."
ein weiteres indiz, das für die einordnung von (turnier-)poker als geschicklichkeitsspiel spricht. zwar bezieht sich das gutachten auf einen fall in einem fremden rechtssystem (amerika). die o.g. definition des glücksspiels ist in dem wesentlichen punkt jedoch mit der strafrechtlichen definition des glücksspiels in deutschland identisch: ein glücksspiel liegt dann vor, wenn das spielergebnis überwiegend vom zufall abhängt und das können und die geschicklichkeit des durchschnittsspielers somit eine untergeordnete rolle spielen.
da also die definitionen des glücksspiels identisch sind, lassen sich dem gutachten auch für den deutschen rechtsraum einige gute argumente entnehmen.
das stellt uns in deutschland vor einige interessante entscheidungen:
- wenn poker nicht als gluecksspiel eingestuft wird, faellt es nicht unter das staatliche monopol. das ist positiv.
- wenn es seinen status als gluecksspiel allerdings verliert, wird die einstufung fuer das finanzamt relativ klar - d.h. gewinne vom poker / online-poker wuerden dann voll versteuerbar sein. das kann man jetzt positiv oder negativ sehen - wie mans nimmt.
- fuer hauptberufliche spieler wird sich nicht viel aendern, da sie ihre gewinne eh komplett versteuern muessen, auch heute schon.
allen die bis hierher durchgehalten haben: herzlichen glueckwunsch ^^
als kleine belohnung gibts noch nen link zum original gutachten "in english".
so long -ricx-
heute wird es theoretisch und fuer einige wahrscheinlich weniger interessant.
egal, da mich das thema interessiert, hier eine kleine abhandlung.
das poker und gerade online poker in vielen laendern einen wackeligen rechtlichen stand hat, was die eingruppierung als gluecksspiel angeht ist bekannt. auch in den derzeitigen entscheidungsprozess auf eu ebene duerfte das gutachten aus amerika frischen wind bringen, ist doch die einstufung von online-poker von einigen laendern (u.a. detuschland) ja in letzter zeit forciert worden.
es geht um einen fall, bei dem ein amerikanischer pokerspieler einen rechtsstreit mit der amerikanischen steuerbehoerde fuehrt ob antrittsgelder bei pokerturnieren (die buy-ins) als wetteinsaetze zu bewerten sind oder nicht, was ja für die steuerrechtliche bewertung entscheident ist.
mit der erstellung des gutachtens wurde im einverständnis beider parteien die "amicus curiae – the poker players alliance" beauftragt.
jetzt der interessante part: die untersuchung kommt zu dem schluss, dass turnierpoker kein glücksspiel sondern ein strategie- und geschicklichkeitsspiel ist! vergleichbar eher mit golf als z.b. mit roulette.
ausgangspunkt der ueberlegungen des instituts "amicus curiae" ist, dass es sich bei buy-ins fuer pokerturniere dann um einen wetteinsatz handelt, wenn turnierpoker ein glücksspiel ist. das gutachten geht weiterhin von folgender definition des glücksspiels aus:
- es erfolgt ein spieleinsatz.
- hierdurch erwirbt der spieler eine gewinnmöglichkeit.
- das ergebnis hängt überwiegend vom zufall und nicht vom können des jeweiligen spielers ab.
nach meinung der gutachter ist die letztgenannte bedingung beim turnierpoker nicht erfüllt. pokerturniere seien keine wettveranstaltungen sondern wettbewerbe, bei denen letztlich der spieler mit dem größten können siege.
Dies ergebe sich insbesondere aus folgenden tatsachen:
- eine pokerhand wird nur in den seltensten fällen bis zum "showdown" gespielt.
in 80% der im verlauf eines pokerturniers gespielten hände wird der "pot" bereits vor dem "showdown" allein durch das setzverhalten der spieler bzw. dadurch gewonnen, dass alle mitspieler – bis auf einen - die hand aufgeben, indem sie ihre karten "folden".
in den weit überwiegenden fällen wird also der spielausgang nicht durch ein zufälliges ereignis (kartenverteilung/"showdown"), sondern durch aktionen im rahmen der setzrunden entschieden.
daraus folgt, dass die jeweiligen einsätze der spieler keine "wett-" einsätze darstellen, da die spieler in erster linie nicht darauf setzen am ende die beste hand zu halten, sondern es das primäre ziel der einsätze ist, auf das verhalten der gegenspieler einfluss zu nehmen. es stehen also strategische und auch psychologische beweggründe im vordergrund.
ferner ist intuition und menschenkenntnis gefragt, um das verhalten der gegenspieler richtig zu deuten.
das gutachten kommt zu dem schluss, dass der traditionell verwendete begriff "bet" für die einsätze beim aktuellen turnierpoker also irreführend bzw. schlicht falsch ist.
zwar räumt das gutachten ein, dass auch eine glückskomponente vorhanden ist, das können der jeweiligen spieler dominiere jedoch bei weitem wenn es darum geht, welcher spieler sich am Ende in den geldrängen platzieren kann.
uebersetzt, sobald pokerstrategien, die – jedenfalls mittel- und langfristig – anerkanntermaßen gewinnbringend sind ins spiel kommen, wird die anwendbarkeit des begriffs gluecksspiel stark eingeschraenkt.
im verlauf eines pokerturniers werden zudem von den (erfolgreichen) spielern ständig komplizierte entscheidungen getroffen, die nichts mit zufall zu tun haben sondern denen unter anderem folgende aspekte zugrunde liegen:
- berechnung von wahrscheinlichkeiten.
- zu erwartende reaktionen der gegenspieler.
- anzahl der eigenen chips im verhältnis zu denjenigen der gegenspieler.
- spielposition innerhalb einer hand. aktionen der spieler, die vorher agiert haben.
- stadium des turniers (anfangsphase, geldränge in reichweite/"bubble", "final-table").
dann wird noch darauf hingewiesen, dass die teilnehmer eines pokerturniers auch von händen profitieren können, an denen sie aus strategischen gründen selbst überhaupt nicht beteiligt sind. diese strategie ist vor allem im stadium eines turniers zu beobachten, wenn nur noch wenige spieler ausscheiden müssen bevor die übrigen die geldränge erreichen. ein solches spielverhalten bzw. eine solche strategie hat mit glück nichts zu tun.
das gutachten geht ferner von der these aus, dass ein strategiespiel sich dadurch auszeichnet, dass es bessere und schlechtere spieler gibt und dass die besseren spieler gegen die schlechteren langfristig gewinnen. bei glücksspielen ist dies hingegen nicht der fall.
dieser these muss man nicht folgen, aber sie ist zumindest was teilaspekte angeht recht ueberzeugend.
um diese these auf poker anzuwenden bzw. zu prüfen wurden verschiedene computerprogramme mit unterschiedlicher komplexität erstellt. diese programme traten anschließend in einer vereinfachten form des texas hold´em gegeneinander an. das ergebnis war eindeutig:
das programm, das seine entscheidungen nur zufällig traf, wurde letztes.
je komplexer die programmierte spielstrategie war (z.b. berechnung von odds und outs, gelegentliches bluffen, einbeziehung des spielstils des gegners), desto besser schnitt das jeweilige programm ab.
das programm mit den größten strategischen fähigkeiten landete dementsprechend auf dem ersten platz.
das gutachten geht sogar so weit, pokern mit golf zu vergleichen und hinsichtlich des "skill"-faktors gleichzusetzen.
zum einen gewinnen beim golf – welches unstreitig kein glücksspiel ist – ebenfalls die besseren gegen die schlechteren spieler.
zudem zeigt ein vergleich der wsop- und der pga-statistiken auffällige parallelen im hinblick auf die anzahl der verschiedenen sieger und die anzahl der teilnehmer, die ihren sieg wiederholen konnten.
"In the 25-year period beginning with 1976 and ending in 2000, 21 different players won the World Series of Poker. One person won three times in that span (Stu Ungar), and three more won twice (Johnny Moss, Doyle Brunson and Johnny Chan). Three of these repeat winners won on streaks – back-to-back wins in consecutive years (Brunson, Ungar and Chan). Fourteen of the twenty-one were "repeat finalists" who finished among the top ten in one or more of the other tournaments. In the same period, there were twenty-two different winners of the PGA Championship, and three multiple winners. Only Tiger Woods won back-to-back titles. Fifteen of the twenty-two champions made it into the top ten in another Championship. It is precisely because poker tournaments involve roughly the same amount of skill as golf tournaments that poker tournaments now rival golf tournaments in popularity on television. The only people who watch anyone play roulette on television are casino security guards. People only watch lottery drawings to see if they have won. But poker matches are spectator events because, as in any game that people tune in to watch, it is fun to watch good players get beaten by even better players. Texas Hold ’Em players have roughly the same ability to win in their tournaments as golfers do in theirs. If golf is a game won and lost predominately on the basis of the skills of the players on the course, poker is a game of skill as well."
ein weiteres indiz, das für die einordnung von (turnier-)poker als geschicklichkeitsspiel spricht. zwar bezieht sich das gutachten auf einen fall in einem fremden rechtssystem (amerika). die o.g. definition des glücksspiels ist in dem wesentlichen punkt jedoch mit der strafrechtlichen definition des glücksspiels in deutschland identisch: ein glücksspiel liegt dann vor, wenn das spielergebnis überwiegend vom zufall abhängt und das können und die geschicklichkeit des durchschnittsspielers somit eine untergeordnete rolle spielen.
da also die definitionen des glücksspiels identisch sind, lassen sich dem gutachten auch für den deutschen rechtsraum einige gute argumente entnehmen.
das stellt uns in deutschland vor einige interessante entscheidungen:
- wenn poker nicht als gluecksspiel eingestuft wird, faellt es nicht unter das staatliche monopol. das ist positiv.
- wenn es seinen status als gluecksspiel allerdings verliert, wird die einstufung fuer das finanzamt relativ klar - d.h. gewinne vom poker / online-poker wuerden dann voll versteuerbar sein. das kann man jetzt positiv oder negativ sehen - wie mans nimmt.
- fuer hauptberufliche spieler wird sich nicht viel aendern, da sie ihre gewinne eh komplett versteuern muessen, auch heute schon.
allen die bis hierher durchgehalten haben: herzlichen glueckwunsch ^^
als kleine belohnung gibts noch nen link zum original gutachten "in english".
so long -ricx-

